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06.02.2017 - Seit letztem Herbst habe ich das Glück, dass ich einen guten Kontakt zu Páramo, einem Hersteller für PFC-freie und sozial verantwortungsvoll hergestellte Outdoor-Kleidung, knüpfen konnte. Inzwischen habe ich sogar eine Jacke und einen Fleece zur Verfügung gestellt bekommen um diese zu testen. Hierzu wird es mit Sicherheit in der Zukunft auch noch einen Blog-Eintrag geben. Meine Blog-Einträge sind natürlich alle subjektiv, da sie sich auf meine Erfahrungen und mein Wissen stützen. Mir steht es allerdings vollkommen frei, was ich schreib. Das werde ich mir von niemandem vorgeben lassen.

Auf der ISPO 2017 in München war der Besuch am Stand von Páramo natürlich fest eingeplant. Julia, die für das Marketing in Deutschland verantwortlich ist, zeigte mir die Kollektion, die für den nächsten Winter geplant ist. Wir unterhielten uns über meine Erfahrungen mit den Produkten, die ich gerade teste und quatschten dann noch über Gott und die Welt. Irgendwann kamen wir auch drauf, dass am folgenden Tag Páramo eine Pressekonferenz geben würde. Thema: „Páramo – mehr als nur eine Jacke“.

Eigentlich stand zwar Klausurenvorbereitung auf dem Plan für den kommenden Tag, aber die Pressekonferenz wollte ich mir auch nicht entgehen lassen. Vor allem, da ich darin eine Chance sah, ein wenig mehr über die Philosophie des Unternehmens erfahren zu können. Und so saß ich am Tag darauf in der ersten Pressekonferenz meines Lebens. Als echter Journalist kommt man scheinbar tendenziell eher nicht zu früh. Als ich zehn Minuten vor der angesetzten Zeit ankam, war es noch leer im Konferenz-Saal. Erst unmittelbar vor Beginn füllte es sich auf einen Schlag.

Páramo Pressekonferenz - Mehr als nur eine Jacke

Anwesend waren Nick Brown (CEO) und Gareth Mottram (Commercial Director) von Páramo, Schwester Rosaura Patiño (Leiterin des Ordens Las Hermanas Adoratrices) und Amparo Chambo von der Miquelina-Stiftung, Rudi Dalvai, der Präsident der World Fair Trade Organisation und Philipp Lang von Caritas.

Um zu verstehen, wie diese Runde zustande kam, muss man sich die Geschichte hinter Páramo anschauen, die Nick Brown zum Auftakt der Pressekonferenz in Ausschnitten erzählte.

In den 80er Jahren war er mit der Funktionalität der verfügbaren Outdoor-Bekleidung unzufrieden. Auf der Suche nach einer besseren Lösung, orientierte er sich am Fell von Säugetieren. Das Fell ist in der Nähe der Haut sehr dicht und zwingt das Wasser so nach außen, wo mehr Platz zwischen den Haaren ist.

Der Name Páramo kommt von der Vegetationslage in den Anden, in denen Nick Brown seine Materialien testete. Eine Gegend die von starken Gegensätzen geprägt ist. Auf einer Höhe von ca. 3200m – 4800m über NN gelegen, ist diese Vegetation dem Wechsel von Trocken- und Regenzeit ausgesetzt. Páramo selbst hat zur Entstehung des Markennamens auch einen Blogartikel verfasst.

Im Jahr 1992 traf Nick Brown in Bogotá auf Madre Esther Castaño, der Oberin des Ordens „Las Hermanas Adoratrices“. Sie gründete mit einer handvoll gespendeter Nähmaschinen eine Werkstatt, in der Frauen eine Ausbildung ermöglicht wird. Somit bekommen die Frauen eine echte Alternative ihre Familien zu versorgen, ohne auf Prostitution angewiesen zu sein. Ein Schicksal, das viele Frauen in Kolumbien trifft, seit das Land vom Bürgerkrieg erschüttert wird und viele Menschen auf der Flucht ihr ganzes Hab und Gut hinter sich lassen müssen.

Nick Brown erzählt die Geschichte von Páramo

Zu Beginn der Kooperation kommunizierten Páramo in keinster Weise die Herstellung der Kleidung in einem sozial nachhaltigen Projekt. Das Augenmerk der Käufer sollte alleine auf der Qualität und Funktionalität der Produkte liegen.

Als Nick Brown von diesen Anfängen seines Unternehmens berichtet, kämpft er sichtlich mit den Emotionen. Ein Mann der auch nach über 25 Jahren noch mit Herzblut bei der Sache ist und sich für das begeistert, was er tut. So wirkt er in dieser Pressekonferenz auf mich.

Nick Brown und Schwester Rosaura Patiño (Quelle: Páramo)

Die Partnerschaft zwischen Páramo und der Miquelina-Stiftung führte dazu, dass die Näherei von ihren Anfängen mit einigen wenigen Nähmaschinen, deutlich gewachsen ist. Heute arbeiten dort über 200 Frauen, denen dieser Job einen Ausweg aus der Prostitution gezeigt hat. 80% der Produktion von Páramo wird in diesen Werkstätten geleistet. Die Gewinne der Miquelina-Stiftung wandern in gemeinnützige Projekte, wie beispielsweise Wohnprojekte, Kindergärten und die Versorgung von Schulkindern mit Mahlzeiten. Ganz zentral bleibt für die Ordensschwestern aber bis heute, Frauen einen Ausweg aus der Prostitution zu zeigen.

Familie die in einem Wohnprojekt der Miquelina-Stiftung lebt (Quelle: Páramo)

Gemeinsam mit Caritas Deutschland und dem Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gelang es, dass die Miquelina-Stiftung Mitglied der World Fair Trade Organisation wurde. Ab Januar 2017 tragen alle Páramo-Produkte, die durch die Miquelina Stiftung produziert werden, das WFTO First Buyer Siegel.

Und auch der ökologischen Verantwortung stellt sich Páramo. Bereits im Januar 2016 schloss sich Páramo als erster Outdoorhersteller der Greenpeace Detox Kampagne an. Seit April 2016 produziert Páramo garantiert PFC-frei und seit diesem Januar ist es Páramo mit Hilfe seines Recycling-Partners JEPLAN möglich, gebrauchte Kleidung zu neuwertigem Polyestergarn wiederzuverwerten. Doch das nur als kleinen Einschub, da ich es persönlich super finde, dass es Unternehmen gibt, die in der heutigen Zeit nicht nur auf Profitmaximierung, sondern auf Nachhaltigkeit für Natur und Mensch setzt.

Rudi Dalvai und Schwester Rosaura Patiño

Auf die Zertifizierung der Grundsätze seiner Organisation geht dann auch Rudi Dalvai, der Präsident der WFTO in seinem Statement ein. Er betont vor allem, dass es ihn sehr freut, dass sich mit Páramo das erste Unternehmen für Outdoor-Bekleidung den Prinzipien der WFTO angeschlossen hat.

Schwester Rosaura Patiño, Übersetzerin Doris Zörweg und Amparo Chambo

Was jetzt folgt ist ein emotionaler Einblick in das Leben in Bogotá. Ampara Chambo berichtet sichtlich bewegt ihre Lebensgeschichte - eine Erfolgsgeschichte der Miquelina-Stiftung und ein erschreckender Aufrüttler für uns in unserer bequemen und heilen Welt. Mit 13 Jahren wurde sie durch den bewaffneten Konflikt in Kolumbien aus ihrer Heimat vertrieben und sah sich gezwungen Geld als Prostituierte zu verdienen, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. Ihr Ausweg aus dieser Situation fand sie in der Miquelina-Stiftung. Durch eine Ausbildung und eine spätere Festanstellung in der Näherei als Technikerin, kann sie heute ihre fünf Kinder versorgen. Durch die Arbeit ist sie persönlich mit ihren Aufgaben gewachsen und heute ein glücklicher Mensch.

Zum Abschluss bringt Schwester Rosaura Patiño das Konzept näher, welches ihr Orden verfolgt, um Frauen einen Weg aus der Prostitution zu ermöglichen. Die Schwestern suchen die Plätze auf, an denen sich die Frauen aufhalten, um ihnen Hilfe und Rat anzubieten. Das Ziel ist es ein freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen und ihnen dann Rat, Hilfe und einen Platz im Programm der Miquelina-Stiftung anbieten zu können. Im Programm der Stiftung bekommen sie eine berufliche Ausbildung, sowie professionelle Hilfe bei der Verarbeitung der Traumata, die die Prostitution hinterlassen hat. Laut Schwester Rosaura Patiño sind diese Traumata oftmals schlimmer als die, die durch die Erlebnisse im Bürgerkrieg verursacht wurden. Die Schwestern sehen ein Leben in einem würdevollen Arbeitsumfeld als die beste Strategie zu helfen. Sie schließt ihre Rede mit einer Aussage, die wohl mir und auch vielen anderen im Raum noch lange in Erinnerung bleiben wird und die für spontanen Beifall sorgte: „Wir sind nicht nach Deutschland gekommen, um Sie um Geld zu bitten. Wir bitten Sie nur um mehr Arbeit.“

Werkstatt der Miquelina-Stiftung (Quelle:Páramo)

Mich persönlich hat diese Pressekonferenz stark berührt und eine weitere Facette gezeigt, wie sich Páramo als Unternehmen und Marke sieht und für was diese Marke steht. Für mich war es eine Möglichkeit einmal die Menschen zu sehen, die hinter dieser Jacke stehen, die ich aktuell täglich im Alltag trage. So setzt sich für mich Stück für Stück ein Bild von einem Unternehmen zusammen, das mich sehr anspricht. In der heutigen schnelllebigen und oftmals rein auf Profit ausgerichteten Welt gefällt es mir sehr gut, ein Unternehmen zu sehen, das so leidenschaftlich auf Nachhaltigkeit setzt. Im sozialen, wie auch im ökologischen Sinn.

Was die ISPO 2017 angeht, wird es vermutlich bei diesem einen Artikel bleiben. Ich bin leider nur sehr kurzfristig und vollkommen unvorbereitet dort hingekommen. Wie diejenigen unter euch wissen, die öfters auf Messen sind, ist das aber eine sichere Strategie, vieles zu sehen, aber nicht das zu finden, was man sucht. Es sind einfach viel zu viele Aussteller auf einer riesigen Fläche verteilt, als dass planloses Umherstreifen zu einem konkreten Ergebnis führt. Versteht mich nicht falsch, ich hatte einen riesen Spaß. Am Stand von Petzel habe ich mich über Klettergurte informiert und inzwischen auch einen neuen Gurt bestellt. Meinen alten muss ich dringend in Rente schicken. Auch bei vielen anderen Herstellern habe ich mal flüchtig geschaut, was aktuell so geplant ist. Aber halt nicht wirklich mit Strategie, die es mir ermöglicht einen Artikel zu schreiben. Und kurz bevor ich an meinem zweiten und letzten Tag auf der ISPO meine U-Bahn zur Uni nehmen musste, habe ich noch die Stände mit den Outdoor-Startups entdeckt. Leider blieb mir dann aber keine Zeit mehr, um mich noch näher mit den, auf den ersten Blick spannend aussehenden, Neuentwicklungen auseinanderzusetzen. Ich weiß nur so viel: Ich freue mich jetzt schon auf die ISPO 2018 und werde dann hoffentlich meinen Besuch besser vorbereiten. Bis dahin geht es jetzt aber erstmal wieder in die Berge. Das „Tagebuch“ meiner Alpenüberquerung muss ich endlich einmal fertigstellen, einen Bericht über mein erstes Schnuppern ins Eisklettern möchte in einen Blogartikel verpackt werden und mit Ende der Klausurenphase stehen für mich jetzt auch wieder mehr Qutdoor-Aktivitäten auf dem Plan. Es lohnt sich also immer mal wieder hier reinzuschauen. Und solltet ihr irgendwelche Fragen an mich haben, dann meldet euch gerne. Ich freue mich über jede Nachricht, die ich von euch höre.