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27.08.2016 - Verglichen mit dem letzten Sonnenaufgang, kann dieser Morgen einfach nicht mithalten. Aber man kann leider nicht jeden Tag auf 2600m und auf einem Grat in den Tag starten. Trotzdem ist das Wetter ein weiteres Mal perfekt, als ich mit Pia von der Lizumer Hütte aus aufbreche. Die ersten Sonnenstrahlen tauchen die Gipfel, die um das Tal aufragen, in warmes Licht.

Lizumer Hütte

Wir laufen auf das Ende des Tals zu. Vor uns ragt die Geierspitze auf. Und ein Stück tiefer befindet sich das Geierjoch. Unser Übergang, über den wir das Tal verlassen werden.

Und dann wird es beunruhigend. Ein Schild weist uns darauf hin, dass orangene Fähnchen auf dem weiteren Weg keinesfalls Wegmarkierungen darstellen, sondern vor Blindgängern der letzten Truppenübung warnen. Gut, dass direkt vor uns mitten auf dem Pfad genau ein solches Fähnchen steht. Wie groß der Bogen sein soll, den man da drum macht ist nirgendwo erwähnt. Und auch nicht die Schwierigkeit, die sich ergibt, wenn man an einem ziemlich steilen Stück den Pfad verlassen muss, um den Fähnchen auszuweichen.

Aber irgendwie bringen wir auch dieses Stück des Wegs hinter uns. Als wir die unteren Ausläufer des Geröllfeldes erreichen, das uns bis zum Geierjoch begleiten wird, steht noch eine letzte riesige Patrone am Wegesrand und dann lassen wir das Militärgebiet endlich hinter uns.

Aufstieg zum Geierjoch

Ein Geröllfeld später stehen wir auf dem Geierjoch. Uns öffnet sich ein Blick bis zum Tuxer Gletscher. Und direkt zu unseren Füßen liegt der Junssee kristallklar im Sonnenlicht. Sofort ist klar, dass jetzt erst einmal Zeit für Frühstück ist. Die Abbruchkante bietet einige schöne Sitzplätze mit perfektem Blick. Der See hat irgendwie eine fast magische Anziehungskraft. Während wir unsere Pause machen und den Blick schweifen lassen, kommt uns der Gedanke, dass wir eigentlich nicht an dem See vorbeigehen können, ohne wenigstens einmal kurz reinzuspringen.

Junssee

Auf dem Abstieg vom Geierjoch zum Junssee treffen wir auf Bernie. Er war schon vor uns am See gewesen und kommt uns jetzt entgegen. Als er von unseren Plänen hört erst reinzuspringen und dann weiter zu laufen, schließt er sich uns kurzerhand an.

Bernie, Pia und ich am Junssee

Pia hat sogar an Schwimmsachen gedacht. Wir Jungs müssen auf unsere Unterhosen zurückgreifen. Badesachen sind auf der Packliste wohl zu kurz gekommen. Vorsichtig halten wir erstmal einen Zeh ins Wasser. Keine gute Idee. Das zeigt nur, wie kalt der See wirklich ist. Aber hilft ja alles nichts. Also geht es mit Schwung möglichst weit ins Wasser, drei Schwimmzüge und kurz darauf stehen wir wieder prustend am Ufer. So ein kleines wenig wärmer wäre schon ganz nett gewesen. Nach zwei weiteren genauso kurzen Runden lassen wir uns von der Sonne trocknen und machen uns zu dritt wieder auf den Weg in Richtung Tuxerjochhaus.

Pause beim Genusswandern

Da die Tagesetappe eher zu den kürzeren auf meine Alpenüberquerung gehört, haben wir alle Zeit der Welt sie auch richtig zu genießen. Und zu genießen gibt es einiges. Das Glück mit dem Wetter bleibt uns treu und die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Der Pfad schlängelt sich mit angenehmen Steigungen durch die Landschaft und über allem thront der Tuxer Gletscher.

Kurz nach Beginn des letzten und längsten Abstiegs des Tages, bietet sich noch einmal eine wunderschöne Stelle zum rasten an. Während wir Gämsen in einem nahen Steilhang beobachten, tun wir das, was wir heute schon den ganzen Tag tun. Unsere Tour und unser Leben genießen. Bei keiner der bisherigen Etappen stand der Genuss am Wandern so im Vordergrund wie bei dieser.

Eines der wenigen Fotos das von mir gemacht wurdeim Hintergrund der Tuxer Gletscher

Kurz nach Beginn des letzten und längsten Abstiegs des Tages, bietet sich noch einmal eine wunderschöne Stelle zum rasten an. Während wir Gämsen in einem nahen Steilhang beobachten, tun wir das, was wir heute schon den ganzen Tag tun. Unsere Tour und unser Leben genießen. Bei keiner der bisherigen Etappen stand der Genuss am Wandern so im Vordergrund wie bei dieser.

Auf dem Tuxerjochhaus beziehen wir zuerst unser Lager, bevor wir es uns im Wintergarten gemütlich machen. Leider hält der Wirt nicht allzu viel von frischem Luftdurchzug und so müssen die Fenster, mit einem Vermerk darauf, dass uns sonst später zu kalt wird, bald geschlossen bleiben.

Tuxerjochhaus

Nach und nach treffen auch unsere anderen Weggefährten ein und wir verbringen einen entspannten Nachmittag. Gute Unterhaltungen und Gesellschaftsspiele. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal Mühle oder Mensch ärger dich nicht gespielt habe. Das sollte ich aber wirklich wieder öfters mal machen.

Die Essensportionen fallen leider für unsere ausgehungerten Weitwanderermägen etwas arg klein aus. Trotzdem drückt das kaum auf die Stimmung. Nach Sonnenuntergang setzen sich Pia, Bernie und ich an ein nahes Wasserreservoir um Bernies Schnapsflasche zu vernichten. Er meinte, dass er sie vor ein paar Tagen geschenkt bekommen hatte und sie nicht weiter mit sich rumtragen möchte.

Als es richtig dunkel ist staunen wir nicht schlecht. Es spannt sich ein unglaublicher Sternenhimmel über uns auf. Stellt euch vor, dass ihr Sternbilder sucht, aber keine findet, weil es einfach viel zu viele helle Sterne gibt. Es ist einfach unglaublich. So einen beeindruckenden Sternenhimmel habe ich bisher wirklich nur selten gesehen.

Doch irgendwann geht auch der schönste Abend zu Ende. Und vor allem ist es diesmal Pias letzter Abend. Morgen wird sie nach Hintertux absteigen, da bei ihr schon wieder der Alltag ruft. Wirklich schade, denn ich habe in den letzten Tagen die Gesellschaft sehr zu schätzen gelernt. Es ist einfach so viel lustiger in guter Gesellschaft unterwegs zu sein. Mir ist jetzt schon klar, dass ich sie mit Sicherheit während der restlichen Tage ein bisschen vermissen werde.

Bevor es ins Lager geht, vereinbaren wir noch, dass ich sie aufwecke, wenn ich losgehe. Eine ordentliche Verabschiedung muss auf jeden Fall sein. Dann kehrt Hüttenruhe ein. Denkst du – mitten in der Nacht reißen auf einmal ein paar sturzbetrunkene Gestalten die Türe zum Schlaflager auf. Und das ungeschickte und laute Suchen nach ihrem Schlafplatz ist nicht alles. Zusätzlich bricht noch einer in einen lange anhaltenden Lachkrampf aus. Um mich herum höre ich laute Unmutsbekundungen. So etwas ist uns noch in keiner Hütte vorher passiert. Doch auch dieser Zwischenfall geht irgendwann vorbei und nach und nach schläft das ganze Lager wieder ein.