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04.11.2016 - Was macht man, wenn man an einem Freitag frei hat und noch dazu bestes Wetter gemeldet ist? Klar - ab in die Berge. Als Tour hatte ich mir eine Wanderung vom Spitzingsattel nach Bayerischzell überlegt. Nicht zuletzt, da das super mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von München aus machbar ist. Auf dem Weg wollte ich von Gipfel zu Gipfel und so einiges mitnehmen, was dort auf dem Weg liegt.

Auf dem Spitzingsattle angekommen begrüßte mich kaltes aber wunderschönes Wetter. Der Boden war an vielen Stellen gefroren, so dass man hin und wieder darauf achten musste, dass man durch das Rutschen nicht sinnlos zu viel Kraft verbraucht. Als ich beim Aufstieg zur Schönfeldhütte den Blick über Spitzingsee und die umliegenden Berge schweifen ließ, waren überall angezuckerte Hänge zu sehen. Nicht all zu viel Schnee, aber immerhin etwas. Dieser Anblick ließ die Vorfreude auf die Tour und die Gipfelchen, die ich heute vorhatte, weiter wachsen.

Spitzingsee

Der Anstieg zum Jägerkamp, dem ersten Gipfel des Tages zeigte sich mit gefrorenem Boden und einigen kleineren Eisplatten, aber fast keinem Schnee.

Der Weg von der Weggabelung auf den Jägerkamp

Schnell war der Weg von der Weggabelung zum Gipfelkreuz zurückgelegt. Hier versteckte sich sogar ein bisschen Schnee zwischen dem Gipfelkreuz und den Latschen, die den kompletten Gipfel bewachsen.

Gipfelkreuz auf dem Jägerkamp

Da ich noch einiges vorhatte, gab es auf dem Gipfel nur eine kurze Pause um den Rundumblick zu genießen. Danach ging es wieder zurück zur Weggabelung. Diesmal bog ich auf den Pfad Richtung Aiplspitz ab. Der Weg zur Aiplspitz führt über einen Grat und der Weg verläuft tendenziell eher auf der nörlichen Seite. Wie man auf dem Foto sehen kann, hatte es auf dem Grat schon etwas Schnee.

Grat zur Aiplspitz

Der weitere Verlauf der Tour ging ersteinmal nochmal zurück zur Weggabelung. Dann aber entlang der Abbruchkante, die man auf dem Foto sehen kann zum Rauhkopf, vorbei an der Bergstation der Taubensteinbahn zum Taubenstein und dann weiter bis zur Rotwand, die im Foto mit ihrer Breitseite den Talkessel abschließt. Den Gipfel des Lämpersbergs, der im rechten Winkel zur Rotwand steht kann man leider nicht mitnehmen, da es sich hierbei um eine Wildschutzzone handelt. Der ein oder andere mag so Zonen einfach ignorieren. Mir persönlich ist es aber wichtig, dass ich mich an solche Regeln halte. Die Alpen werden immer mehr und mehr für uns Wanderer und Bergsteiger erschlossen. Das geht natürlich auf kosten der Rückzugsgebiete der Tiere. Gerade deswegen sollten wir meiner Meinung nach die Zonen, die explizit als Ruhezonen ausgewiesen sind, auch respektieren.

Blick von der Aiplspitz auf Rauhkopf, Taubenstein und Rotwand

Auf der Rotwand angekommen war Zeit für eine Brotzeit. Und bei kaltem Wind und herrlichem Blick legte ich dort eine Rast ein. Erst ließ ich den Blick in die Ferne schweifen. Die Sicht reichte bis zur Glocknergruppe. Und dann kam die restliche Tour ins Blickfeld. Von der Rotwand aus hat man einen wunderschönen Blick auf die schroffen Ruchenköpfe im Vordergrund und die schräg rechts dahinter liegende Auersptiz, die komplett mit Latschen bewachsen ist.

Blick von der Rotwand auf Ruchenköpfe und Auerspitz

Frisch gestärkt ging es vorbei am Rotwandhaus. Den Wegweisern Richtung Bayrischzell folgenden. Schneefreie Stellen wechselten sich mit einer dünnen Schneeschicht ab. Und schon bald erreichte ich den Sattel zwischen Auerspitz und den Ruchenköpfen. Ursprünglich hatte ich die Auerspitze nicht auf meiner Liste gehabt, aber ich konnte nicht widerstehen, als der Wegweiser gerade einmal 15 Minuten bis zum Gipfel anzeigte. Schnell war der kleine Gipfel mit dem geschmiedeten Gipfelkreuz erreicht, den ich mir mit einer anderen Gruppe Wanderer teilte. Der Gipfel ist zwar total unscheinbar, aber mit dem hübschen Gipfelkreuz und dem Blick auf Rotwandhaus und Rotwand ein lohnenswerter Abstecher.

Gipfelkreuz der Auerspitz mit Blick auf Rotwand und Rotwandhaus

Und dann war mein persönliches Highlight des Tages an der Reihe. Zuerst musste ich einmal komplett an den Ruchenköpfen vorbei, da der einfachste Aufstieg von Südosten her erfolgt. Vorbei an der an der Hütte der Bergwacht windet sich der Pfad zuerst einen steilen Grashang hinauf, bis er die Schnittlauchrinne erreicht. Diese Rinne dient in der Regel als Abstieg, wenn man die Ruchenköpfe über eine der schwierigeren Klettereien, wie dem Westgrat besteigt. Mit dem Schnee, der bereits in einer dünnen Schicht in der Rinne lag, musste ich mich doch etwas mehr konzentrieren und konnte gleichzeitg meine neuen Handschuhe einmal am Fels testen. Bei einigen Stellen war es einfach nicht ratsam die Hände vom Felsen wegzulassen.

Oben angekommen bot sich wieder ein herrlicher Rundumblick, da die Ruchenköpfe vollkommen frei stehen und es von der Höhe her mit den meisten umliegenden Gipfeln aufnehmen können. Auf dem Gipfel gefiel es mir so gut, dass ich meine warme Jacke auspackte und nochmal eine kleine Rast einlegt um die Aussicht zu genießen.

Gipfelkreuz der Ruchenköpfe mit der Rotwand im Hintergrund

Nach dem Abstieg von den Ruchenköpfen kam ich kurze Zeit später am Soinsee vorbei. Durch die Kälte der letzten Tage hatte sich eine erste feine Eisschicht auf dem Wasser gebildet. Irgendwie üben diese ersten Vorboten der kalten Jahreszeit dieses Jahr ein extreme Faszination auf mich aus. Das liegt wohl daran, dass ich mich unglaublich darauf freue und so einiges vor habe.

Blick vom Soinsee zu den Ruchenköpfen

Der Abstieg nach Bayrischzell verlief dann relativ ereignislos. Zwischendurch verpasste ich irgendeine Abzweigung nach der Untersteilen-Alm, an der ein Trampelpfad gegen die Laufrichtung vom Weg abzweigt. Als ich es merkte und zurücklief, fiel mir dann auch ein kleines Steinmanderl an der Stelle auf, an der der Pfad abgeht. Spontan entschied ich mich dann noch dazu den Seebergkopf über Bayrischzell mitzunehmen. Belohnt wurde ich mit einem Block über Bayrischzell im Licht der bereits langsam untergehenden Sonne.

Gipfelkreuz auf dem Seebergkopf

Dadurch, dass sich langsam der Sonnenuntergang ankündigte, hielt ich die Pause auf dem Seeberg relativ kurz und beeilte mich dann mit dem Abstieg. In Bayrischzell angekommen deckte ich mich im örtlichen Supermarkt nochmal mit einer Brotzeit für die Heimfahrt ein und stieg dann in die Bahn zurück nach München.

Insgesamt waren das an diesem Tag acht Gipfel, die ich zwischen dem Spitzingsattel und Bayrischzell mitnehmen konnte. Was mir aber viel wichtiger ist, ich habe endlich mal einen groben Überblick über diese Region, in der ich bisher kaum unterwegs war.

Für alle, die sich die Tour genauer anschauen wollen, habe ich sie auf outdooractive nachgebaut. Das gibt Euch die Möglichkeit das Höhenprofil anzuschauen, oder den GPS-Track herunterzuladen.

Wer selbst das Gebiet erkunden möchte, dem aber meine Tour zu lange ist (gerade bei Schnee und den immer kürzer werdenden Tagen solltet ihr immer an eure Stirnlampe denken), kann problemlos auch einzelene Teile herauspicken. Touren für die ich schon öfters Beschreibungen auf den gängigen Tourenportalen gesehen habe sind zum Beispiel Jägerkamp und Aiplspitz, Taubenstein oder die Rotwand.

Und wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann dürft ihr mir gerne jederzeit schreiben. Entweder hier auf der Homepage über das Kontaktformular, oder auch über Facebook und Instagram.