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26.08.2016 - Als der Wecker meines Handys vibriert, versuche ich möglichst ohne meine Nachbarn zu wecken aus dem Lager zu kommen. So wie jeden Morgen bisher. Der einzige Unterschied ist diesmal, dass der Platz, der mir im Lager zugeteilt ist gefühlt halb so breit ist wie sonst. Eben eine richtige Gipfelhütte, wie der Hüttenwirt uns gestern erklärt hatte. Dafür habe ich echt gut geschlafen. Wir hatten uns so hingelegt, dass immer der Kopf an den Füßen der Nachbarn lag. So hat es mit dem Platz halbwegs gepasst.

Im Schuhraum anziehen, Wasserration vom Fass in der Stube abholen und dann raus um den Sonnenaufgang zu betrachten. Etwas wehmütig denke ich an das Frühstück, dass gerade in der Stube angerichtet wurde. Auf der Glungezer Hütte wäre Halbpension definitiv eine gute Investition gewesen. Das nächste Mal weiß ich Bescheid.

Lange hängen meine Gedanken allerdings nicht dem Frühstück hinterher. Vor der Hütte kündigt sich ein weiterer atemberaubender Sonnenaufgang an. Die Gipfel in der Ferne beginnen bereits rosa zu glühen.

Ausblick von der Glungezer Hütte bei Sonnenaufgang

Nachdem wir eine Weile den wunderschönen Anblick genossen haben, geht es für Pia und mich auf die heutige Tagesetappe. Auf dem Grat vom Glungezer zum Geier erwarten uns sechs Gipfel über 2600m und eine grandiose Aussicht, wenn man der Beschreibung in meinem kleinen Wanderführer Glauben schenken darf. Das Wetter spielt auf jeden Fall mit.

Nur wenige Meter oberhalb der Hütte erreichen wir mit dem Glungezer den ersten Gipfel und den Beginn des Grates. Ein Blick zurück auf die Hütte im warmen Morgenlicht zeigt auch das Schneefeld, das sich hier bis Ende August gehalten hat.

Glungezer Hütte und Schneefeld bei Sonnenaufgang

Der Morgen ist genau das, was man sich als Fotograf und Bergliebhaber nur wünschen kann. Ein wunderschöner Sonnenaufgang mit klarer Sicht zur einen Seite und herrlichem Gegenlicht, das sich auf der anderen Seite des Grates im leichten Dunst bricht.

Gegenlicht

Auf dem Grat wechseln sich grasige Passagen mit Geröll und Felder mit großem Blockwerk ab. Ich persönlich liebe diese unwirtliche und raue Landschaft auf dieser Höhe. Kombiniert mit dem abwechslungsreichen Pfad du der herrlichen Aussicht übertrifft diese Etappe schon jetzt alles, was ich an Erwartungen im Vorfeld hatte.

Gratwanderung

Nach einer Weile treffen wir auf eine Herde Schaafe, die in der Nähe des Pfads das magere Gras frisst. Damit ist die erste kurze Pause vorprogrammiert. Während ich die Aussicht genieße und ein paar Fotos mache, versucht Pia etwas von ihrem Brot an die Schaafe loszuwerden. Aber offensichtlich kann das magere Gras gar nicht so schlecht sein. Es kostet Pia einiges an Geduld und Überzeugungskunst, bis sich dann doch ein Schaaf findet, das das Brot annimmt. Das ist wieder einer dieser vielen kleinen Momente, die diese Tour zu einem ganz besonderen Erlebnis werden lassen.

Pia und die Schaafe

Glungezer, Gamslahnerspitze, Kreuzspitze, Rosenjoch, Grünbergspitze, Grafmartspitze – die Sammlung der Gipfel, die wir einen nach dem anderen den Grat entlangwandernd übequeren. Der Grat hat schon so etwas von einer Mondlandschaft. Aber eine Mondlandschaft mit grandiosem Ausblick und herrlichem Wetter. Ein einheimisches Ehepaar, dem wir begegnen meint nur, dass die aktuellen Wetterbedingungen seltener sind als ein Sechser im Lotto. So grandioses Wetter, über einen solch langen Zeitraum hinweg, das gäbe es so fast nie.

Gratwanderung

Als sich die Gratwanderung langsam dem Ende zuneigt und wir den letzten Gipfel schon im Auge haben, sieht man in der Ferne schon den Hintertuxer Gletscher weiß im Licht der Sonne leuchten. Dort in der Nähe, am Tuxerjoch wird am nächsten Tag das Ziel unserer Tagesetappe sein.

Grafmartspitze mit Tuxer Gletscher im Hintergrund

Und dann sind wir am letzten Gipfel vorbei und es geht in den Abstieg zu Lizumer Hütte. Kurz nach dem Naviser Jöchl betreten wir dann militärisches Übungsgelände. Dort mittendrin, in einem Tal, liegt die Lizumer Hütte unweit einer Kaserne. Doch der Hüttenwirt auf der Glungezer Hütte hatte uns am Vorabend versichert, dass heute keine Militärübungen sind und das Gebiet problemlos zu durchqueren ist.

Vom Weg aus sehen wir kurz darauf die markante Sonnenspitze. Ein freistehender Felsblock in der Landschaft. Während sich Pia für einen Mittagsschlaf in der Sonne entscheidet, kann ich es nicht lassen einen Abstecher dort hin zu unternehmen. Meinen Rucksack lasse ich bei Pia stehen und gehe nur mit Kamera und Wanderstöcken los. Gefühlt schwebe ich fast der Sonnenspitze entgegen. Nachdem ich die letzten Tage immer meinen knapp 18 Kilogramm schweren Rucksack auf dem Rücken hatte, fühlt sich das laufen ohne Rucksack einfach fantastisch an.

Am Gipfel angekommen stelle ich leider fest, dass es wohl nichts wird dem Gipfelkreuz auf dem freistehenden Felsblock einen Besuch abzustatten. Der einzige Weg nach oben ist eine leichte Kletterei, die mir alleine und mit Blick auf die noch bevorstehenden Etappen nicht ratsam scheint. Immerhin gibt es eine zweite Spitze, die zwar nicht ganz so schön aussieht, von der aus man aber auch wunderbare Fotos machen kann.

Sonnenspitze

Am Gipfel angekommen stelle ich leider fest, dass es wohl nichts wird dem Gipfelkreuz auf dem freistehenden Felsblock einen Besuch abzustatten. Der einzige Weg nach oben ist eine leichte Kletterei, die mir alleine und mit Blick auf die noch bevorstehenden Etappen nicht ratsam scheint. Immerhin gibt es eine zweite Spitze, die zwar nicht ganz so schön aussieht, von der aus man aber auch wunderbare Fotos machen kann.

Ein Herz für den Abstieg

Am Gipfel angekommen stelle ich leider fest, dass es wohl nichts wird dem Gipfelkreuz auf dem freistehenden Felsblock einen Besuch abzustatten. Der einzige Weg nach oben ist eine leichte Kletterei, die mir alleine und mit Blick auf die noch bevorstehenden Etappen nicht ratsam scheint. Immerhin gibt es eine zweite Spitze, die zwar nicht ganz so schön aussieht, von der aus man aber auch wunderbare Fotos machen kann.

Als die Hütte endlich im Tal zu sehen ist, sind es immer noch eine knappe Stunde, bis wir endlich unten sind. Dafür wartet dort eine moderne Hütte und, was noch viel wichtiger ist, ein Bach um die Füße ins eiskalte Wasser zu halten.

Trotzdem wird die Hütte nicht zu meinen Favoriten gehören. Auf mich macht sie mehr den Eindruck eines Hotels, als einer Berghütte. Die Betten und duschen sind absolut top und das Essen ist auch ok. Aber es kommt einfach kein Hüttenflair auf. Da kann auch der riesige Hüttenhund nichts daran ändern.

Lizumer Hütte