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25.08.2016 - So schön, wie der letzte Tag geendet hat, beginnt dieser auch wieder. Ein Glück, somit lohnt es sich wenigstens, dass ich meinen Wecker zu früh gestellt habe. Irgendwie habe ich wohl vergessen, den Wecker umzustellen, nachdem wir zu dritt beschlossen hatten etwas länger zu schlafen.

Dafür habe ich die kleine Bank vor der Hütte erst einmal für mich alleine. Im Gastraum sind die Hüttenwirtsleute schon geschäftig bei den Vorbereitungen für das Frühstück. Während die aufgehende Sonne die Bergspitzen am Ende des Tals langsam rosa färbt, mache ich mir mein Müsli und genieße die friedliche Atmosphäre.

Sonnenaufgang am Hallangerhaus

Kurz darauf gesellen sich Pia und Lukas zu mir und langsam macht sich Aufbruchsstimmung breit. Es wird der letzte Tag sein, den wir in dieser Dreierkonstellation unterwegs sind. Während Pia und ich später die Seilbahn auf den Glungezer nehmen wollen, läuft Lukas eine Hütte auf halber Höhe an und macht die Etappe auf zwei Tage. Da Pia schon am Sonntag in Hintertux wieder absteigen muss, haben wir leider nicht die Zeit die Etappe ebenfalls auf zwei Tage zu laufen.

Die Tagesetappe beginnt mit einem kurzen, knackigen Anstieg auf das Lafatscherjoch. Während des Aufstiegs haben wir einen wunderbaren Blick auf die Lafatscher-Ostwand im Licht der aufgehenden Sonne.

Lafatscher Ostwand im ersten Licht des Tages

Kurz bevor wir das Joch erreichen, sehen wir noch eine Herde Gämsen, die kurz unterhalb des Jochs friedlich am fressen sind. Sie scheinen aber nicht ganz so entspannt zu sein, wie die Steinböcke an der Benediktenwand. Und so ziehen sie irgendwann langsam, aber bestimmt weiter, während wir uns dem Lafatscherjoch nähern.

Oben angekommen öffnet sich uns der Blick auf das Inntal. Noch liegt Dunst über dem Tal. Doch auch jetzt schon brennt die Sonne vom blauen Himmel. Es lässt sich recht einfach nachvollziehen, dass für den kommenden Tag Temperaturen von gut über 30°C im Inntal angekündigt sind.

Blick vom Lafatscherjoch ins Inntal

Nach einer kurzen Pause, um die Aussicht zu genießen und die erste Schicht Sonnencreme aufzutragen, geht es an den Abstieg nach Hall. Von den Höhenmetern nimmt sich der Abstieg nicht viel mit dem Abstieg durch das Birkkar am Vortag, aber der Weg ist wesentlich angenehmer zu laufen. Zum einen ist er bei weitem nicht so Steil, hat nicht wirklich Schotterfelder, die man absteigen müsste und vor allem gibt es immer wieder schattige Wegabschnitte durch Waldgebiet.

Abstieg ins Inntal

Doch auch dieser Abstieg ist irgendwann geschafft und wir kommen in Hall an, einem kleinen Städtchen im Inntal. Pia ist sichtlich erleichtert, dass der Abstieg vorbei ist. Der Abstieg durch das Birkkar hat ihr einen ordentlichen Muskelkater eingebracht, der ihr gerade das gehen bergab teilweise sichtlich zur Qual macht. Trotzdem ist den ganzen Abstieg keine eine Beschwerde von ihr zu hören.

In Hall steht erst einmal das Auffüllen der Vorräte auf dem Programm. „Weniger als 400 Kalorien pro 100 Gramm – das muss doch besser gehen.“ Lukas und ich stehen vor dem Regal mit den Müsliriegeln und studieren die Angaben auf den Verpackungen. Wir müssen beide grinsen. Normalerweise sucht man ja, wenn überhaupt, nach Nahrungsmitteln mit einer geringen Energiedichte. Aber wenn du weiß, dass du für die nächsten fünf Tage Vorräte brauchst um deinen Energiebedarf tagsüber zu decken, dann geht es darum, dass man dafür möglichst wenig Gewicht und Platz im Rucksack verbraucht.

Durch diese Optimierung läuft es am Ende immer wieder auf Müsliriegel, Müsli und irgendwelche Räuchersalamis raus. Oftmals nehme ich mir zusätzlich noch zwei Äpfel als Luxusgut mit. Aber Gewicht und Platzbedarf verbieten einfach einen Apfel für jeden Tag einzupacken. Umso größer ist natürlich der Genuss, beim Mittagessen direkt nach dem Einkauf. Jeder von uns hat irgendwelches Obst gekauft, das wir untereinander aufteilen. Außerdem stehen frische Semmeln und Croissants auf dem Speiseplan. Eben genau das, auf was wir in den nächsten Tagen wieder verzichten werden. Aber ich muss sagen, dass mir so ein einfaches Essen selten so gut geschmeckt hat. Mir schadet es manchmal gar nicht ein bisschen auf den Überfluss zu verzichten, den wir sonst im Alltag um uns herum haben.

Dann geht es weiter ins Stadtzentrum zur Bushaltestelle. Lukas und ich besprechen noch kurz, wie wir es machen, dass ich auf ihn warte, sobald Pia in Hintertux angekommen ist. Der Plan ist, dass ich zwei Nächte auf der Olperer Hütte übernachte und tagsüber einen Abstecher auf den Hohen Riffler mache. Dann kann Lukas bequem aufholen und wir können den restlichen Weg wieder gemeinsam laufen.

Wir verabschieden uns und für Pia und mich geht es erst ein kurzes Stück mit dem Bus und dann mit zwei Sesselliften bis auf 600m unter den Gipfel des Glungezers. Während der Fahrt mit dem Lift haben wir einen herrlichen Blick über Hall und Innsbruck.

Seilbahn auf den Glungezer mit Hall im Hintergrund

An der Bergstation angekommen ist die Luft merklich kühler. Der Höhenunterschied zum Tal lässt die Luft eine angenehme Temperatur annehmen. Wir beide sind wirklich nicht böse drum, dass wir die letzten Höhenmeter bis zur Glungezer Hütte nicht in der brütenden Hitze der tieferen Lagen des Inntals hinter uns bringen müssen.

Die Glungezer Hütte ist eine der ganz wenigen Gipfelhütten des Alpenvereins. Im Sommer dienst sie hauptsächlich Wanderern als Zwischenstation, die die Sieben-Gipfel-Tour zur oder von der Lizumer Hütte aus machen. Im Winter bietet sie Skitourengehern eine Unterkunft.

Bei der Ankunft auf der Hütte bekommen wir erst einmal einen Schnaps und geben an, was wir zum Abendessen möchten. Die Auswahl beschränkt sich auf zwei Gerichte und die Zutaten werden mit der Materialseilbahn pünktlich zur Zubereitung an die Hütte geliefert. Außerdem erfahren wir, dass das Duschen heute leider ausfallen muss. Durch die Nähe zum Gipfel gibt es natürlich keine Quellen, die angezapft werden können. So muss das Trinkwasser in Fässern zur Hütte gebracht werden und auch sonst gibt es nur ein wenig Wasser in den Waschbecken und für die Toilettenspülung, das aus einem nahen Schneefeld gewonnen wird. Dann muss heute also Waschbecken und Waschlappen ausreichen.

Vor dem Abendessen sitzen wir erstmal noch eine Weile auf der Terrasse vor der Hütte und genießen das schöne Wetter und die Aussicht. Als dann der Hüttenwirt zum Essen ruft, versammeln sich alle Übernachtungsgäste in der Stube. Es ist alles total liebevoll angerichtet. Es gibt sogar Namensschilder und Kerzen auf den Tischen. So etwas habe ich noch auf keiner Hütte erlebt. Es ist einfach eine wundervolle Atmosphäre und das Essen ist ebenfalls eine wahre Freude.

Nach dem Essen versammelt der Hüttenwirt alle auf der Terrasse. Wetterbericht und Tourenbesprechung sind angesagt. Stellt euch den Hüttenwirt als einen großen kräftig gebauten Mann mit Rauschebart und kräftiger Stimme vor. Genau wie man sich so einen Hüttenwirt im Idealfall vorstellen würde, oder? Nach dem Wetterbericht, der einfach nur perfektes Wetter meldet, geht es an die Besprechung der Tour. Alle versammelten werden am kommenden Tag die Etappe zur Lizumer Hütte laufen. Der Hüttenwirt weist mit Nachdruck darauf hin, dass er davon ausgeht, dass die Tour für jeden machbar ist, der Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und ein gutes Maß an Ausdauer mitbringt. Gleichzeitigt stellt er aber auch klar, dass die Etappe anspruchsvoll sein wird und man sie nicht auf die leichte Schulter nehmen soll. Ein früher Aufbruch sei dringend zu empfehlen.

Für Pia und mich stand der frühe Aufbruch sowieso auch schon vorher fest. Nach der Besprechung sitzen wir noch gemütlichem Bier in der Stube, als eine größere Wandergruppe auf einmal die Gitarre vom Wirt holt und zu singen beginnt. Kurz darauf stimmen wir anderen auch mit ein und verbringen so noch einen lustigen Abend, bevor wir zur Hüttenruhe alle ins Lager verschwinden.

Glungezer Hütte